Markus_Willer_neck
                       Tricone

Als John Dopyera 1926 den ersten Prototyp seiner National Tricone fertig zusammengebaut hatte, traute er seinen Ohren
nicht: "The tone of the tri-plate flowed like a river. I went home and told my wife: Jesus, we got a hell of a something here".
Nachzulesen bei Bob Brozman: National Resonator Instruments.

Mit ihren 3 kleinen Cones hat die Tricone einen einzigartigen, ja betörenden, Klang. Nicht ohne Grund hielt Dopyera, dem
hawaianische Musik vetrauter war als der Blues, die Tricone im Vergleich mit der später entwickelten Single-Cone und der
Dobro für die beste Resonatorgitarre. Dies ist natürlich Geschmackssache: die drei Arten von Resonatorgitarren haben jede
für sich einen einzigartigen, faszinierenden Klang - vorausgesetzt, sie sind gut gebaut.

Die folgenden Bilder enstanden beim Umbau zweier in China hergestellter Resonatorgitarren. Zwar werden die allermeisten
dieser Billiggitarren dem Anspruch eines Musikers nicht gerecht, wenn sie frisch aus der Fabrik kommen. Aber mit etwas Mühe
- manchmal bedarf es sehr, sehr viel Mühe - ist auch aus diesen Instrumenten ein Klang herauszuholen, der guten Originalen
klanglich in nichts nachstehen muss.

                                    tricone_cones
Die Cones: sie werden aus 0,26 bis 0,4 mm dickem Aluminium gedreht bzw. gestanzt. Hier entsteht der Klang: bei dem
einen Cone mehr, beim anderen weniger. Nicht immer ist der teurere auch der bessere Cone - oder der besseraussehende
der besserklingende. Und selbst Cones gleicher Produktion klingen unterschiedlich: man muss immer wieder ausprobieren,
was besser klingt! Abgebildet sind verschiedene Ausführungen, von dick und nicht funktionstüchtig über gut klingend und
verbeult bis hin zu neu und wohlklingend.

Ozark Tricone, wooden body:
ozark_originalozark
Links die Ozark mit den originalen Cones ohne Coverplate mit originalem Setup, rechts
ein Bild von der überarbeiteten Tricone.
Sie klingt nach dem Umbau wie eine Mischung aus guter, hölzerner Steelstring und einer Tricone.

ozark_original_soundwellozark_tuned_soundwell
Links das fast ursprüngliche Soundwell, in dem die günstigen Cones ruhten. Fast ursprünglich,
weil Hermann Attenberger bereits unglaublich viel Mühe investiert hatte, um das Soundwell
überhaupt plan zu bekommen und zu fixieren. Tausend Dank, Hermann!
Daher musste meinerseits nicht mehr ganz so viel gemacht werden: die Aussparung etwas weiter
ausfräsen, die Auflage präparieren und gute Cones einsetzen, immer wieder zusammenbauen und
nachjustieren: fertig!


Johnson Tricone, Brass body:
jm999_readyjm999_tunedjm999_no_coverplate
Hier war das Soundwell war nicht plan, so dass Holz von dem unter der Auflagefäche liegenden Ahornbalken entfernt
und dann das Blech gerichtet werden musste.
Das klangliche Ergebnis mit neuen National Cones ist absolut umwerfend! Sie hat nun die pianoartigen, tiefen Bässe bei wunderbar weichen Mitten und Höhen (siehe Hintergrundmusik).

Mein besonderer Dank gilt Gottfried Gfrerer: ohne seine fachmännischen und nie-enden-wollenden Tips hätten diese beiden
Lowcost-Instrumente zwar gut ausgesehen, aber nie geklungen!



             Single-cone

Die Tricone war schon in den 20er Jahren ein hochpreisiges Instrument. Nachdem John Dopyera - er war aufgrund von
Streitigkeiten aus der Firma National ausgestiegen - mit der Dobro eine preiswertere Alternative auf den Markt gebracht
hatte, entwickelte auch National ein günstigeres Modell mit nur einem großen Cone - daher Single-Cone -, um im Zuge
der Weltwirtschaftskrise
den Absatz sichern zu können.

Damit war die National für den armen Mann - den Blueser - enstanden.

Auch klanglich passte die Single-Cone mit ihrem etwas harscheren und lauteren Klang besser zum damaligen Country-Blues.
Nach ersten Single-Cones aus Holz (Triolian genannt, da die allerersten Prototypen noch mit den 3 Cones der Tricone aus-
gestattet waren), kamen Triolians und Duolians aus Blech sowie die aufwendigere Style O auf den Markt.

                     singlecone
Ein neuer National Single-Cone mit 3 verschiedenen Holzauflagen zur Saitenführung (Biscuits). Der mittlere Biscuit ist
von der Firma National gefertigt, der untere eine Spezialanfertigung von Gottfried Gfrerer; der obere ist kein Eishockey-Puck,
sondern ein Biscuit aus fernöstlicher Produktion.


styleO            gfrerer

                   National Style O                                 Gottfried Gfrerer Woodbody-Single-Cone

                           

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